Ian Errington, Sous Chef im "Schlicht. Esslokal" in Koblenz am Rhein

Michael Sans

Ian Errington:
"Ich bin in Townsville, Australien, geboren und aufgewachsen und habe mein Berufsleben mit 14 Jahren begonnen, als ich nach der Schule Teilzeit bei Burger King arbeitete.

Rückblickend wird mir klar, dass dieser Job nur wenig mit Essen zu tun hatte, doch er legte den Grundstein für meine Karriere in der Gastronomie: Abläufe, Hygienevorschriften, Organisation, Schnelligkeit und Teamarbeit.

Nach der Schule besuchte ich eine Kochschule und begann meine Ausbildung. In der Küche fühlte ich mich sofort zu Hause. Inmitten des Chaos entdeckte ich eine gewisse Ruhe, Konzentration und Bestimmung. Ich wuchs in Küchen der „alten Schule“ auf, die von Belästigung und Missbrauch geprägt waren – sowohl körperlich als auch psychisch. Doch was mir in Erinnerung geblieben ist: Wenn wir “Land unter” waren, galten für uns alle dieselben Maßstäbe – unabhängig von Geschlecht, sozioökonomischem Status oder Hautfarbe. Wir hatten ein Ziel: den Service zu überstehen, das Essen rauszuschicken und dafür zu sorgen, dass es hervorragend schmeckt. Trotz aller Fehler und der Brutalität vermittelte diese Erfahrung ein Gefühl von ungeschminktem Egalitarismus.

Meine Arbeit in den letzten fast drei Jahrzehnten hat es mir ermöglicht, die Welt zu bereisen, und trotz subtiler kultureller Unterschiede sind Küchen überall gleich. Es gibt eine universelle Sprache, eine Verbindung – vielleicht sogar eine durch gemeinsame Erfahrungen geschaffene Bindung? Im Laufe der Jahre hat sich die Kultur in der Küche gewandelt und ist zugänglicher und respektvoller geworden. Auch wenn es noch Raum für Verbesserungen gibt, bleibt der zugrunde liegende Druck derselbe. An den härtesten Tagen halten wir immer noch zusammen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

Trotz ihrer Mängel hat mich die Küche mitfühlender, widerstandsfähiger und offener gemacht. Vielleicht ist das etwas, von dem wir uns alle eine Scheibe abschneiden könnten?"


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Fotos © Michael Sans

Ian Errington:
"Born and raised in Townsville, Australia, I started my working life at fourteen, working part-time after school at Burger King.

In hindsight, I realize that job had very little to do with food, yet it laid the framework for my career in gastronomy: systems, hygiene protocols, organization, speed and teamwork.

After high school, I went to culinary school and began my apprenticeship. I found myself immediately at home in the kitchen; amidst the chaos, I discovered a certain sense of calm, focus, and purpose. I grew up in "old school" kitchens defined by harassment and abuse—both physical and mental. Yet, what stuck with me was that when we were "in the weeds," regardless of gender, socioeconomic status, or race, we were all held to the same standards. We had one goal: get through service, get the food out, and make it delicious. Although flawed and brutal, it offered a raw sense of egalitarianism.

My work over nearly three decades has allowed me to travel the world, and despite subtle cultural differences, kitchens are the same everywhere. There’s a universal language, a bond—perhaps even a trauma bond? Over the years, the kitchen culture has shifted to become more hospitable and respectful. While there is still room for improvement, the underlying pressure remains the same. On the hardest days, we still pull together to achieve a common goal.

Despite its faults, the kitchen has made me more compassionate, resilient, and open. Perhaps that's something we could all take a page from?"


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Photos © Michael Sans