Ramin Massah, Gründer und Inhaber "NANO KAFFEE"

Michael Sans

Ramin Massah ist Gründer und Inhaber von NANO KAFFEE.

Bevor Kaffee zum Mittelpunkt seiner Arbeit wurde, arbeitete der gelernte Möbeltischler mit Holz, Werkzeugen und Materialien, bei denen Präzision, Geduld und ein gutes Gespür für Qualität entscheidend sind. Diese handwerkliche Haltung begleitet ihn bis heute: genau hinsehen, Materialien respektieren und Dinge so machen, dass sie Bestand haben.

Mit NANO verlagerte sich dieser Anspruch auf ein Produkt, das für viele Menschen ganz selbstverständlich zum Alltag gehört und gleichzeitig erstaunlich wenig transparent ist: Kaffee.

Kaffee ist bis heute in vieler Hinsicht eine 'Black Box'. Wir trinken ihn täglich, wissen aber häufig kaum, woher er genau kommt, wer ihn angebaut und verarbeitet hat, wie viel die Produzent:innen dafür erhalten oder wie sich die Wertschöpfung entlang der gesamten Lieferkette verteilt.

Dabei ist Kaffee historisch eng mit kolonialen Strukturen verbunden. Rohstoffe werden überwiegend im globalen Süden produziert, während ein großer Teil der Weiterverarbeitung, Markenbildung und wirtschaftlichen Wertschöpfung in den Konsumländern stattfindet. Viele dieser Verhältnisse sind nicht einfach Vergangenheit. Sie wirken in heutigen Handelsstrukturen, Abhängigkeiten und ungleichen Machtverhältnissen fort.

Genau diese Black Box möchte NANO KAFFEE ein Stück weit öffnen.

Die Berliner Rösterei steht für hochwertige Spezialitätenkaffees, biologischen Anbau und eine möglichst faire und transparente Wertschöpfung. Dabei geht es nicht allein darum, besonders guten Kaffee zu rösten. Entscheidend ist auch, zu verstehen, was hinter jeder Bohne steht und welchen Einfluss die eigenen Entscheidungen auf die gesamte Kette haben.

Woher kommt der Kaffee? Unter welchen Bedingungen wird er angebaut und verarbeitet? Wie wird er gehandelt und bezahlt? Wie viel bleibt bei den Menschen, die am Anfang dieser Wertschöpfung stehen? Und welche Auswirkungen hat der Anbau auf Böden, Wasser, Biodiversität und die Lebensgrundlagen vor Ort?

Diese Fragen gehören für NANO genauso zu Kaffee wie Geschmack, Röstung und Zubereitung.

Die Motivation dahinter ist auch eine unternehmerische. Verantwortung ist keine Zusatzleistung und kein Marketingversprechen. Ein modernes Unternehmen trägt soziale und ökologische Verantwortung mit Selbstverständlichkeit. Wirtschaftlicher Erfolg kann nicht losgelöst vom Wohl der Menschen und vom Schutz der Natur betrachtet werden. Beides muss selbstverständlich mit betrachtet werden.

Gerade als Rösterei sieht NANO die eigene Position sehr bewusst. Hier, am Ende einer langen globalen Lieferkette, liegt ein wichtiger Hebel. Mit der Entscheidung, welche Kaffees eingekauft werden, wie sie bezahlt werden und mit welchen Produzent:innen und Partner:innen zusammengearbeitet wird, beginnt Verantwortung bereits im Ursprung.
Sie endet dort jedoch nicht.

NANO betrachtet die gesamte Kette – vom Anbau bis zur hiesigen Produktion in Berlin. Dazu gehören die Auswahl der Rohkaffees und verlässliche Handelsbeziehungen ebenso wie Röstung, Energieverbrauch, Verpackungen, Transportwege, Logistik und die Bedingungen, unter denen hier gearbeitet und gewirtschaftet wird.

Darin liegt auch die Aufgabe eines modernen Unternehmens: die eigenen Handlungsspielräume ernst zu nehmen und dort Verantwortung zu übernehmen, wo tatsächlich Einfluss besteht.

NANO möchte diesen Hebel nutzen, ohne den Anspruch zu erheben, bereits für jedes Problem die perfekte Lösung gefunden zu haben. Transparenz bedeutet auch, Widersprüche sichtbar zu machen, Grenzen anzuerkennen und die eigene Arbeit kontinuierlich zu hinterfragen. Entscheidend ist, Prozesse dort zu verändern, wo Veränderung möglich ist.

Diese Haltung zeigt sich ebenso im Umgang mit Qualität. Ein guter Kaffee beginnt nicht erst in der Röstmaschine. Seine Qualität entsteht lange vorher: durch gesunde Böden, sorgfältigen Anbau, die Arbeit der Produzent*innen, Ernte und Verarbeitung. Die Aufgabe der Rösterei besteht darin, dieses Potenzial zu respektieren und in der Röstung möglichst präzise herauszuarbeiten.

Hier schließt sich auch der Kreis zum ursprünglichen Handwerk als Möbeltischler: der Respekt vor dem Material, der Blick fürs Detail und die Freude daran, etwas mit Sorgfalt entstehen zu lassen. Nur das Material hat sich verändert.

Bei aller Haltung und Verantwortung soll Kaffee aber vor allem eines bleiben: Genuss.

Eine gute Tasse soll Freude machen, neugierig machen und Menschen zusammenbringen. Nachhaltigkeit soll nicht nach Verzicht schmecken und Verantwortung nicht mit erhobenem Zeigefinger vermittelt werden. NANO möchte zeigen, dass außergewöhnliche Qualität, bewusster Konsum und verantwortungsvolles Wirtschaften selbstverständlich zusammengehören können.

NANO KAFFEE ist deshalb mehr als eine Rösterei. Es ist der Versuch, ein Unternehmen so zu gestalten, wie modernes Unternehmertum heute funktionieren sollte: aufmerksam, transparent, handwerklich und wirtschaftlich – und zugleich verantwortlich gegenüber den Menschen und der Natur, die dieses Wirtschaften überhaupt erst möglich machen.

Denn Kaffee ist ein alltägliches Produkt mit einer außergewöhnlich langen Geschichte.


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Fotos © Michael Sans

Ramin Massah is the founder and owner of NANO KAFFEE.

Before coffee became the focus of his work, the trained cabinetmaker worked with wood, tools and materials that require precision, patience and a strong sense of quality. That craft-based mindset still shapes his work today: looking closely, respecting the material and making things with care and durability in mind.

With NANO, that approach shifted to a product that is part of everyday life for millions of people and yet remains surprisingly opaque: coffee.

In many ways, coffee is still a black box. We drink it every day, yet often know very little about where exactly it comes from, who grew and processed it, how much producers were paid or how value is distributed along the entire supply chain.

Historically, coffee is closely linked to colonial structures. Raw materials are largely produced in the Global South, while much of the processing, branding and economic value creation takes place in consuming countries. Many of these structures are not simply a thing of the past. They continue to shape today’s trade relationships, dependencies and unequal power dynamics.

This is precisely the black box that NANO KAFFEE wants to open up.

The Berlin roastery stands for high-quality specialty coffee, organic cultivation and a value chain that is as fair and transparent as possible. The aim is not simply to roast exceptionally good coffee. It is also about understanding what lies behind every bean and recognising the impact that our own decisions have throughout the entire chain.

Where does the coffee come from? Under what conditions is it grown and processed? How is it traded and paid for? How much value remains with the people at the very beginning of the supply chain? And what impact does coffee cultivation have on soils, water, biodiversity and local livelihoods?

For NANO, these questions are as much a part of coffee as flavour, roasting and preparation.
The motivation behind NANO is also rooted in a particular understanding of entrepreneurship. Responsibility is not an add-on and it is not a marketing promise. A modern company should take social and environmental responsibility as a matter of course. Economic success cannot be considered separately from the well-being of people and the protection of nature. Both must naturally be taken into account.

As a roastery, NANO is very conscious of its position. At this end of a long global supply chain lies an important point of leverage. Decisions about which coffees to buy, how they are paid for and which producers and partners to work with already have an impact at origin.

But responsibility does not end there.

NANO looks at the entire chain – from cultivation to production here in Berlin. This includes the selection of green coffees and reliable trading relationships, as well as roasting, energy use, packaging, transport, logistics and the conditions under which the company operates locally.

This is also part of what defines a modern business: taking its own room for action seriously and assuming responsibility wherever it has real influence.

NANO wants to use that leverage without claiming to have already found the perfect solution to every problem. Transparency also means making contradictions visible, acknowledging limitations and continuously questioning one’s own work. What matters is changing processes wherever meaningful change is possible.

The same attitude applies to quality. Good coffee does not begin in the roaster. Its quality is created much earlier: through healthy soils, careful cultivation, the work of producers, harvesting and processing. The role of the roastery is to respect that potential and bring it out as precisely as possible through roasting.

This is also where the connection to cabinetmaking becomes visible: respect for the material, attention to detail and the satisfaction of creating something carefully and with purpose. Only the material has changed.

For all its focus on responsibility and values, coffee should above all remain one thing: a source of pleasure.

A good cup should bring joy, spark curiosity and bring people together. Sustainability should not feel like sacrifice, and responsibility should not be communicated with a raised finger. NANO wants to show that exceptional quality, conscious consumption and responsible business can naturally belong together.

NANO KAFFEE is therefore more than a roastery. It is an attempt to build a company around an idea of what modern entrepreneurship should look like today: attentive, transparent, craft-driven and economically sound – while also taking responsibility for the people and natural resources that make the business possible in the first place.

Coffee is an everyday product with an extraordinarily long story behind it.


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Photos © Michael Sans